Mit einem dringenden Appell rufen UNICEF und die Stiftung United Internet for UNICEF weltweit zu Spenden für die Kinder in acht Ländern der Sahelzone in Afrika auf. Missernten, Dürre, hohe Nahrungsmittelpreise und politische Instabilität haben eine schwere Ernährungskrise ausgelöst.
Warum kommt es immer wieder zu Ernährungskrisen in der Sahelzone?
Die Bevölkerung der Sahelzone lebt hauptsächlich von Viehzucht und Hirseanbau. Beides ist sehr vom Wetter abhängig und wird durch lang andauernde Dürreperioden erschwert. Immer wieder kommt es zu Nahrungsmittelkrisen und Hungersnöten, wie zum Beispiel 2005 oder 2010. Schlechte Ernten wie im letzten Jahr führen dann schnell zu Versorgungsengpässen. Die Finanzkrise und der Klimawandel verschärfen die Situation und lassen die Lebensmittelpreise steigen. In manchen Regionen ist der tägliche Bedarf um 80 Prozent teurer geworden – verglichen mit dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Mangelnde Hygiene und fehlender Zugang zu Gesundheitseinrichtungen verschärfen die Situation.
Wie ist die Situation der Kinder?
Viele Kinder sind schon zu "normalen" Zeiten unzureichend ernährt und in einem schlechten Gesundheitszustand. Burkina Faso, Mali und Tschad gehören zu den zehn Ländern mit der höchsten Kindersterblichkeit weltweit. Eins von fünf Kindern in dieser Region wird keine fünf Jahre alt. Jährlich sterben in der Sahelregion rund 1,9 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Ein Drittel aller Todesfälle hängt mit chronischer oder akuter Mangelernährung zusammen. UNICEF braucht Unterstützung, um in den kommenden Monaten rund eine Million schwer mangelernährte Kinder zu versorgen. Weil ihre Familien sich nicht mehr versorgen können, mussten bereits viele Kinder die Schule abbrechen.
Was ist Mangelernährung und wie wirkt sie sich bei Kindern aus?
Als akut mangelernährt gelten Kinder, die weniger wiegen als 80 Prozent des für ihr Alter angemessenen Gewichts. Beträgt das Gewicht weniger als 70 Prozent, spricht man von schwerer akuter Mangelernährung. Die Ursache von Mangelernährung ist chronischer Mangel an Nahrungsmitteln, aber auch an Vitaminen und lebenswichtigen Spurenelementen.
Mangelernährung hat weit reichende Folgen. Da die Verdauung beeinträchtigt wird, können die Kinder nicht mehr normal essen. Die Nahrung wird nicht richtig absorbiert. Dies bedeutet, dass sie ab einem gewissen Punkt immer schwächer werden. Das Risiko, dass ein schwer mangelernährtes Kind stirbt, ist neunmal so hoch wie bei einem gesunden Kind.
Auch wenn das Kind überlebt, hat anhaltende Mangelernährung sehr ernste Folgen: Die Kinder können sich nicht richtig entwickeln und bleiben oft geistig und körperlich zurück.
Mangelernährte Kinder sind anfälliger für Infektionskrankheiten wie Durchfall, Masern und Lungenentzündung. Häufiges Kranksein wiederum zehrt ihren Körper weiter aus – ein Teufelskreis.
Was kann UNICEF jetzt tun?
In enger Zusammenarbeit mit den Regierungen und gemeinsam mit Partnern wie dem Welternährungsprogramm verstärkt UNICEF die Hilfe und stellt therapeutische Zusatznahrung und Medikamente bereit. Helfer untersuchen die Kinder auf Zeichen von Mangelernährung und behandeln sie. Familien werden über gesunde Ernährung, Hygiene und das Stillen informiert. Das ist ein wichtiger Beitrag, um die Situation langfristig zu stabilisieren. Außerdem verbessert UNICEF die Trinkwasser- und Hygienesituation und stärkt durch Impfkampagnen die Widerstandskraft der Kinder.
Langfristig hilft UNICEF, die tiefer liegenden Ursachen von Mangelernährung zu bekämpfen. Kommunen und Familien müssen gestärkt werden, um den Kreislauf von Armut und Mangelernährung zu durchbrechen.
Was sind die Schwerpunkte der UNICEF-Hilfe?
Ernährung
UNICEF stellt Krankenhäusern und Ernährungszentren in allen betroffenen Ländern große Mengen an therapeutischer Zusatznahrung zur Verfügung. Allein in Burkina Faso konnten so in den vergangenen Monaten 50.000 akut mangelernährte Kinder versorgt werden, 2012 sollen doppelt so viele Kinder erreicht werden. In Niger hilft UNICEF aktuell, den Zustand von rund 331.000 Kindern zu überwachen.
Im Tschad wird das Netzwerk der Ernährungszentren in den kommenden Monaten weiter ausgebaut. In Kamerun hilft UNICEF, Erhebungen zur Ernährungssituation der Kinder durchzuführen. Im Niger erhalten 30.000 Haushalte mit Kindern unter zwei Jahren finanzielle Unterstützung, um die Kinder besser versorgen zu können.
Gesundheit
UNICEF unterstützt breit angelegte Impfkampagnen gegen die gefährlichsten Kinderkrankheiten und schult Gesundheitspersonal und freiwillige Helfer in den Gemeinden. In Nigeria erhalten Helfer in 100 Anlaufstellen eine Schulung, um kranke und mangelernährte Kinder richtig behandeln zu können. Schwangere Frauen und Mütter lernen durch Aufklärungskampagnen, wie sie ihre Kinder versorgen und vor Krankheiten schützen können – zum Beispiel in Burkina Faso und Senegal. In Niger erhalten 3,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren Vitamin A-Tabletten zur Stärkung der Abwehrkräfte. In Kamerun, das seit 2010 unter einem Ausbruch von Cholera leidet, unterstützt UNICEF die Hygieneaufklärung.
Sauberes Trinkwasser
UNICEF unterstützt die Trinkwasserversorgung der Gemeinden und den Ausbau sanitärer Einrichtungen – besonders in Schulen und Krankenhäusern. Im Tschad werden 80 weitere Brunnen gebaut, damit die Bevölkerung Zugang zu sauberem Wasser hat. In Mauretanien haben in den letzten Monaten über 340.000 Menschen in rund 480 Dörfern Zugang zu einfachen Latrinen bekommen.
Bildung
Lehrer und Elterninitiativen im Tschad erhalten Schulungen, um Schulkantinen einzurichten und so eine gute Ernährung der Kinder zu unterstützten. UNICEF verteilt auch Lernmaterialien für über 180.000 Kinder. In Mali werden an mehr als 10.000 Schulen Aufklärungskampagnen zum Thema Ernährung stattfinden.
Wie viel Geld wird benötigt?
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UNICEF benötigt für die akute Nothilfe sowie die langfristigen Maßnahmen in den Sahel-Ländern für 2012 rund 90 Millionen Euro. Die Europäische Union und auch die Bundesregierung haben angekündigt, zu helfen. Doch die Mittel reichen nicht aus. Deshalb ruft UNICEF zu Spenden auf, um rasch helfen zu können.
- 36 Euro = 100 Päckchen nahrhafte Erdnusspaste, die ein Kind einen Monat lang stärken.
- 60 Euro = 1.000 Tütchen Zucker-Salz-Mischung gegen Durchfall.
Die Stiftung United Internet for UNICEF bittet Sie um Ihre Unterstützung für die notleidenden Kinder in der Sahelzone.
Vielen Dank für Ihre Hilfe!