Die Geschehnisse in der sudanesischen Stadt Al-Fashir vor einem Jahr haben für einen Augenblick die Aufmerksamkeit auf den Krieg im Sudan gelenkt. Doch wie sieht es heute, ein Jahr nach den Gräueltaten, aus?

Massenhinrichtungen, Vergewaltigungen, Plünderungen, Entführungen – ein Jahr liegen die Gräueltaten, die in der sudanesischen Stadt Al-Fashir begangen wurden, nun zurück. Nachdem die Stadt 18 Monate lang von der RSF (Rapid Support Forces), die gegen die sudanesische Armee kämpft, belagert worden war, drang die Miliz schließlich in die Stadt ein und hinterließ Tod, Zerstörung und eine verzweifelte Bevölkerung.

Viele Menschen, die versuchten zu fliehen, wurden aufgehalten, die RSF blockierte die meisten Fluchtwege. Satellitenbilder zeigen später Massengräber und Leichenberge. In einer Geburtsklinik wurden nach Angaben der WHO 460 Menschen getötet, vorrangig Patientinnen und ihre Begleiter.

Die Vereinten Nationen sprachen in Bezug auf Al-Fashir von schweren Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht. Die Geschehnisse rund um die Stadt gelten als eine der schlimmsten Gräueltaten in diesem Krieg. Diejenigen, die die Verbrechen begingen, versuchten nicht einmal, sie zu vertuschen, berichtet etwa die Tagesschau. Die Milizsoldaten hielten ihren Einmarsch auf Videos fest, veröffentlichten diese im Netz und prahlten mit ihren Taten.

Verletzt auf der Flucht aus Al-Fashir

Auch Buthena Ibrahim und ihre Familie flohen aus Al-Fashir. Heute lebt die Familie in einem Vertriebenencamp in Port Sudan. Die Mutter berichtet beim Besuch unserer Redaktion von ihrer Flucht. Kurz hinter der Stadt traf die Gruppe Flüchtender auf ein Auto mit RSF-Milizsoldaten, erzählt die 36-Jährige. Diese schossen, trafen Buthena am Fuß, ihren Mann am Arm. Schwer verletzt mussten sie Hilfe suchen. Ihre Kinder haben alles mit angesehen. Noch heute geht Buthena an einem Stock.

Die Familie kann das Erlebte nicht vergessen. Insbesondere der 10-jährige Semi ist schwer gezeichnet. Er ist der Einzige der Geschwister, der es nicht in die nahegelegene Zeltschule schafft. Seine Mutter berichtet uns, dass er viel weint, dass er es nicht schafft, sich zu konzentrieren und stillzusitzen. "Jeden Tag sagt er zu mir, dass wir früher ein besseres Leben hatten. Er möchte wieder nach Hause", erzählt Buthena. Doch zurückzugehen ist für die Familie Ibrahim, wie für so viele andere, nicht möglich.

Der Krieg im Sudan geht weiter

Die Lage im Sudan ist so dramatisch wie vor einem Jahr. Es ist die schwerste humanitäre Krise der Welt, Millionen Menschen sind auf der Flucht im eigenen Land, Zehntausende wurden bereits getötet. In Al-Obeid, der Hauptstadt der Region Kordofan, wächst die Angst vor der nächsten Katastrophe, wie sie in Al-Fashir passiert ist.

Al-Obeid und seine 500.000 Einwohner sind zurzeit von der Miliz eingekesselt. Schon im Sommer häuften sich Berichte über Vergewaltigungen und Vertreibungen durch die RSF. Zusätzlich kommt es immer wieder zu heftigen Drohnenattacken, an denen beide Seiten beteiligt sind.

Laut UNICEF ist Al-Obeid eine strategisch wichtige Stadt, auch für die humanitären Organisationen und die Verteilung ihrer Güter. Sie ist ein Knotenpunkt für die Region, viele vertriebene Menschen haben hier Schutz gesucht.

UNICEF: Drohnenangriffe im Sudan immer häufiger

Aber auch in anderen Regionen im Sudan geht der Krieg unerbittlich weiter. Bei einem Angriff am 17. Oktober wurden nach Angaben von UNICEF mindestens neun Kinder getötet. Sie befanden sich zu dem Zeitpunkt in einem Camp für Vertriebene. Nur kurze Zeit später, am 19. Oktober, traf eine Drohne in der Hauptstadt Khartum ein Wohngebiet. Hierbei wurden drei Kinder getötet.

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Immer wieder werden zivile Strukturen Ziel von Angriffen, so auch die Stromversorgung. Erst am Dienstag fiel in mehreren Regionen im Sudan der Strom aus, da fünf Kraftwerke angegriffen wurden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Insbesondere die Drohnenattacken haben in diesem Jahr dramatisch zugenommen. UNICEF Sudan schreibt auf Anfrage unserer Redaktion, dass monatlich hunderte Drohnenangriffe stattfinden.

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Im Sudan kämpfen die Streitkräfte unter Abdel Fattah al-Burhan und die paramilitärischen RSF unter seinem früheren Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo seit mehr als drei Jahren gegeneinander. Der Krieg in Afrikas drittgrößtem Land hat Zehntausende Menschen das Leben gekostet und Millionen zur Flucht gezwungen. Sowohl der Armee als auch der RSF werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, darunter Angriffe auf die Zivilbevölkerung.

Verwendete Quellen

Eine Familie im Vertriebenencamp in Port Sudan
Buthena Ibrahim und ihre Kinder in einem Camp für Vertriebene in Port Sudan. Die Familie kam vor etwa einem Jahr hier an. © Carla Magnanimo